Entscheidungstechniken

Der zweistufig-regel­ba­sierte Entscheidungsprozess

Es genügt nicht, die vielen psycho­lo­gi­schen Entschei­dungs­fallen zu kennen, um nicht hinein zu geraten. Aber wenn Sie dieses einfache Prinzip befolgen, sind Sie gut gewappnet. Anfangs etwas ungewohnt, wird die Vorge­hens­weise schnell zur natür­li­chen Routine.

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Es genügt nicht, und ist auch nicht nötig, all die  psycho­lo­gi­schen Entschei­dungs­fallen zu kennen. Mit diesem einfa­chen Prinzip, umgehen Sie die Fallen. Anfangs etwas ungewohnt, wird es schnell zur Routine.

Die häufigste Ursache für Fehlentscheidungen

‍Entscheider werden durch irrele­vante, situa­tive Faktoren erheb­lich beein­flusst. Ausstrah­lung und Stimme einer Person können mehr Wirkung haben, als der Inhalt des Vorge­tra­genen. Entschei­dungs­er­geb­nisse hängen vom Wetter ab — oder von der Tages­zeit, zu der sie getroffen werden.

Das Entscheiden komplexer Fragen erschöpft den Vorrat an mentaler Energie schnell. Die Folge sind — je nach Persön­lich­keit des Entschei­ders — zu defen­sive oder zu riskante Entscheidungen.

Das Prinzip des zweistufig-regel­ba­sierten Entschei­dens ist die Grund­lage für das Treffen kluger Entschei­dungen. Es elimi­niert oder reduziert das Risiko der meisten psycho­lo­gi­schen Entschei­dungs­fallen. Mehr zu diesen Fallen finden Sie, unter anderem, in den Veröf­fent­li­chungen und Büchern von Dobelli, Ariely, Kahne­mann und Taleb.

Treffen Sie (als Organi­sa­tion) wichtige und wieder­keh­rende Entschei­dungen in zwei Schritten. Im ersten Schritt definieren Sie eine Entschei­dungs­me­chanik und Entschei­dungs­kri­te­rien. Erst im zweiten Schritt wird die Entschei­dung getroffen. Nach Möglich­keit sind die Personen, die den ersten Schritt ausführen andere, als dieje­nigen, die die spezi­fi­sche Entschei­dung treffen.

Die Vorteile:

  • Wenn Entschei­dungen nach einfa­chen, klaren Regeln getroffen werden, haben situa­tive und andere, nicht relevante Einfluss­fak­toren viel weniger Kraft. Mehr zu Entschei­dungs­re­geln. Die Regeln fungieren als Leitplanken für die Entscheider.
  • Wird die Entschei­dungs­findung in Entwick­lung und Anwen­dung der Entschei­dungs­re­geln (personal, zeitlich) getrennt, haben alter­na­tive-spezi­fi­sche Störfak­toren (zum Beispiel: Stimm­lage, Tattoos … eines Stellen­kan­di­daten) keinen Einfluss auf die Formu­lie­rung der Regeln.
  • Die Festle­gung einer effizi­enten Mechanik (wer, was, wann, wie) spart letzt­lich Zeit und sichert Konsis­tenz über eine Reihe ähnli­cher Entscheidungsaufgaben.

Und ein Tip: Mit der Zeit kristal­li­sieren sich einige Grund­re­geln heraus für verschie­dene Entschei­dungs­felder. Andere sind sehr spezi­fisch für die jewei­ligen Entschei­dungs­auf­gaben. Variieren Sie die Grund­re­geln von Zeit-zu-Zeit und prüfen Sie den Effekt durch A/B‑Tests.

Drei Manager unter­halb der Vorstands­ebene sind beauf­tragt, als Gremium, Projekt­vor­schläge zu prüfen und zu geneh­migen — bzw. abzulehnen.

Vor der Einfüh­rung des zweistufig-regel­ba­sierten Entschei­dens (2S-RB‑E) benötigten sie von der ersten Vorlage bis zur Entschei­dungs­findung durch­schnitt­lich sechs Monate. Ein Drittel der Vorschläge war vor einer Entschei­dung bereits hinfällig. Jede Entschei­dungs­findung benötigte zahlreiche Meetings sowie das Anfor­de­rung weiterer Infor­ma­tionen und Anfor­dern und Verar­beiten zusätz­li­cher Infor­ma­tionen — oft in mehreren Schleifen.

Ein wesent­li­ches Problem war, dass das Gremium sich für ihre Entschei­dungen gegen­über dem Vorstand verant­wort­lich fühlte — aber dessen Erwar­tungen (die zudem zeitlich fluktu­ierten) nicht klar verstand.

Bei der Einfüh­rung des 2S-RB‑E erarbei­tete ein Berater mit dem Vorstand fünf heuris­ti­sche Entschei­dungs­re­geln. Faust­re­geln, die den Entschei­dern die nötige Klarheit und den erfor­der­li­chen Entschei­dungs­spiel­raum geben.

Die fünf Regeln wurden ergänzt durch drei weitere, die die Mechanik der Entschei­dungs­findung betreffen.

Nach der Umset­zung konnten die Entschei­dungen durch­schnitt­lich einem Monat gefunden werden. Der Zeitauf­wand je Entschei­dung wurde in gleichem Maße reduziert — und die Entschei­dungs­qua­lität gesteigert.

Die Regeln werden zweimal jährlich in ihrer Effizienz überprüft und angepasst.

Zweistufig-regel­ba­siertes Entscheiden ist mächtiges Instru­ment zur Steige­rung der Entschei­dungs­qua­lität in Organi­sa­tionen. Setzen Sie es auf eine agile Art und Weise ein und um:

Erstellen Sie eine Liste mit 3 wieder­keh­renden Entschei­dungs­themen und 3 wichtigen Einzel­ent­schei­dungen, die in der nächsten Zeit anstehen.

Setzen Sie das zweistufig-regel­ba­sierte Entscheiden jeden anderen Monat für ein wieder­keh­rendes Thema und für eine Einzel­ent­schei­dung um. Nach 6 Monaten teilen Sie die Erfah­rungen aller Betei­ligter und definieren Regeln und Empfeh­lungen für die nächsten Schritte.

Autor

Dietmar Gamm - Entscheidungsexperte
Dietmar Gamm, M.Sc., Dipl.-Ing. ist internationaler Experte für effektives Entscheiden in Organisationen. Er leitet Trainings und moderiert Workshops in Deutsch, Englisch und Französisch.

Übrigens ...

Alle Entscheidungstechniken hängen davon ab, dass sie mit richtigem, neutralem und vollständigem Input "gefüttert" werden.

Das ist ihre größte Schwäche. Denn die Menschen, die sie nutzen, sind nicht objektiv und rational. Sie sind allgemein tendenziös, manipulierbar, unzureichend informiert und machen logische Fehler.

Die Folgen von Fehlentscheidungen können katastrophal sein, siehe Dieselgate.

Das SolidDecisions-Framework sorgt dafür, dass diese Einflüsse minimiert und die Entscheidungsqualität gesteigert wird.
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